Haigstaussichtsanlage


Weit im Süden vor der Stadt an der Alten Weinsteige auf halber Strecke nach Degerloch erwarb der Verein 1875 ein Areal auf einer malerisch in das Thal hereintretende(n) Anhöhe über der Friedenslinde, die der Stuttgarter Blumenclub im März 1871 gepflanzt hatte. Dieses Gebiet mit dem Flurnamen Höchst war schon auf dem Plan von 1861 als bevorzugtes Projekt eingezeichnet, denn von dieser Stelle aus erschloss sich ein bedeutende(s) Landschaftsbild, welches das Thal von Stuttgart ... darbietet. Mehr noch: von hier genoss man bei schönem Wetter sogar Ausblicke bis zu den Heilbronner Bergen. Der neue Aussichtspunkt wurde 1876 vollendet und mit einigen beschatteten Ruhebänken ausgestattet.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg wandte sich der Verschönerungsverein auch wieder seiner Anlage auf dem Höchst zu. Sie war eine seiner ältesten Grünflächen, doch fanden nicht mehr sehr viele Besucher den Weg die Alte Weinsteige hinauf. Der Höchst lag nicht besonders günstig, und schon seit einiger Zeit beeinträchtigten dichtere Bebauung und starker Pflanzenwuchs auf den Nachbargrundstücken die einst freie Lage.

 

Weil nur noch Ortskundige die Anlage kannten, ließ sie der Verein im Jahr 1954 gärtnerisch herrichten und an der Zahnradbahn-Haltestelle Pfaffenweg ein Hinweisschild aufstellen. Doch auch dies änderte nichts daran, dass der Höchst kaum noch aufgesucht wurde.

Als 1959 die Pacht einiger städtischer Parzellen weiter oberhalb der alten Anlage kurz vor der Neuen Weinsteige auslief, schlug der Vorsitzende Wolfram Ehrlenspiel dem Gartenbauamt am 16. März 1959 vor, die einzigartige Gelegenheit zu nutzen und eine neue Aussichtsplatte zu errichten, die einen guten Blick in das tiefgelegene Nesenbachtal ermöglicht und so ein … landschaftlich besonders reizvolles Bild von Weinbergen, Stadt und Wald bietet. Der Verein sei bereit, sich an den Kosten zu beteiligen.

Zehn Jahre lang geschah nichts, bis das Gartenbauamt im Herbst 1969 erste Pläne für eine Grünanlage mit Aussichtsplätzen an der Hangkante entlang der Straße Auf dem Haigst gegenüber der Haigstkirche vorlegte. Ehrenspiels Nachfolger Hubert Häußler bot dem Gartenbauamt erneut an, sich an der neuen Anlage zu beteiligen. Hierzu verkaufte er die Grundstücke des Höchst im Juni 1971 als Bauplatz.

Die neue Anlage Haigst wurde am 4. Juli 1972 eingeweiht. Ähnlich wie die Geroksruhe ist sie in mehrere Ebenen untergliedert. In ihrem Namen ist die historische Flurbezeichnung und die besondere topographische Lage des gesamten Gebiets bewahrt (Haigst = höchster Punkt). Die vollen Herstellungskosten von über 65.000 DM übernahm der Verschönerungsverein. Besucher des Haigst finden seinen Namen und seine Rolle als Stifter seither auf einer Erinnerungstafel.

Stadtdirektor Prof. Dr. Hans-Dieter Künne sprach von einer Bereicherung des Stadtbilds. Das Stuttgarter Wochenblatt schrieb im Vorfeld am 14. April, der verwilderte Höchst erhalte jetzt einen prächtigen Nachfolger – mit Ober- und  Untergeschoss, mit Bänken und viel Grün: Das Schönste ist der unbeeinträchtigte Blick hinab auf Stuttgart und in die Ferne.

Lob und Dank für diese Leistung des Vereins kam von Oberbürgermeister Dr. Arnulf Klett:

Namens der Stuttgarter Bürgerschaft danke ich lhnen für Spende, die dem Gartenbauamt die Errichtung einer neuen Aussichtsanlage ermöglicht … (Dies) knüpft an die große Vergangenheit Ihres Vereins an, der Stuttgart und seiner Bevölkerung viele, heute aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenkende Grünanlagen geschenkt hat.

 

Die Aussicht auf die Stadt und den oft fotografierten historischen Weinberg an der Neuen Weinsteige wird bis heute von vielen Besuchern bewundert.

Insgesamt 34 Jahre lang hat sich der Verschönerungsverein zusammen mit dem Gartenbauamt um diese Anlage und ihre Aussicht gekümmert. Im Herbst 2005 musste er zufällig erfahren, dass Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster dem Architekten Georg Kieferle, Honorarkonsul von Chile, zugesagt hatte, die Anlage in "Santiago-de-Chile-Platz“ umzubenennen. Während historische Straßennamen im Bewusstsein der Bürger verankert sind, sollte hier der historische Flurname verloren gehen. Vorstand und Ausschuss des Vereins setzten sich nachdrücklich gegen die Umbenennung ein, zudem hätte die chilenische Hauptstadt nach dessen Auffassung einen richtigen umbauten Platz verdient, nicht nur ein "Plätzle". Respektable Alternativvorschläge des Vereins fanden jedoch keine Zustimmung. lm Zuge der Umbenennung erhielt die Anlage einen barrierefreien Zugang. Auch konnte die Messingtafel, die an die Stiftung der Anlage durch den Verein erinnert, an einen besser sichtbaren Standpunkt versetzt werden. Ein neu aufgestelltes Kunstwerk zeigt eine Göttin des Naturkultes der Maori, was diejenigen, die sich der Nähe der Evangelischen Haigstkirche bewusst sind, für fehl am Platz halten. Die Einweihung erfolgte 2006 im Beisein der chilenischen Botschafterin. Der Verschönerungsverein kümmert sich weiterhin um die Anlage und behält in seinen Publikationen den schönen alten Namen „Haigst“ bei.


 


Bildergalerie

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Standort

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