Donndorfreliefs Europaplatz Fasanenhof


lm September 1944 wurde der 1886 an der Neckarstraße eröffnete historistische Bau der Württembergischen Landesbibliothek schwer beschädigt. 1970 wurde ein Neubau am bisherigen Standort eröffnet. Einige Außenreliefs und Kapitelle waren unversehrt geblieben und wurden von der Stadt aufbewahrt, um an anderer Stelle als schmückende Elemente wiederverwendet werden zu können. Der Künstler des Fassadenschmucks war Adolf von Donndorf (1835-1916), seit 1876 Professor für Bildhauerei an der Kunstakademie Stuttgart und seit 1910 Ehrenbürger der Stadt.

 

Als die Kriegsruine abgerissen wurde, übernahm der Verschönerungsverein je zwei weitgehend unversehrte Reliefarbeiten und Kapitelle in seine Obhut und ließ sie 1973 in Absprache mit der Stadt und dem Bürgerverein Fasanenhof im Bereich des dortigen Europaplatzes aufstellen. Die Kosten wurden vom Verein getragen und beliefen sich auf rund 14.500 DM. Die Bildhauerarbeiten zeigen zwei Reliefs von Orpheus und Pegasus sowie von Herakles mit einer Sphinx-Figur. Diese Darstellungen sind zugleich als Allegorien auf die Dichtkunst bzw. die Wissenschaft zu verstehen. Die zwei Kapitelle sind mit ihren maskenartigen Gesichtern ebenfalls figürlich gestaltet.

 

Der Europaplatz und sein bauliches Umfeld sind das Gesellschafts- und Handelszentrum der Siedlung Fasanenhof, die ab 1960 in mehreren Abschnitten errichtet wurde - ein Wohnqebiet ganz im architektonischen und räumlichen Typus jener Zeit mit Siedlungszeilen, Punkthochhäusern sowie umfangreicher Infrastruktur.

 

Über das Vorhaben, die Reliefs aufzustellen, bestand keineswegs von Beginn an Einigkeit. Ausschussmitglied Pahl schlug zwar im Juli 1971 vor, sich an der Gestaltung des Europaplatzes zu beteiligen, doch der Vorsitzende Hubert Häußler sowie Ausschussmitglied und Stadtrat Eugen Betzler waren zunächst skeptisch. Betzler bat mit Hinweis auf zahlreiche leerstehende Läden um Zurückhaltung:

 

Der Europaplatz ist nicht zu dem geworden, was sich die Planer einmal dachten. ... Die Bewohner zieht nichts aber auch gar nichts zum Europaplatz, daran würde auch eine wie immer geortete andre Gestaltung nichts ändern können.

 

Mit Unterstützung des Stadtplanungsamtes unter ihrem Abteilungsleiter Manfred Schempp, der bald darauf auch in den Vereinsausschuss gewählt wurde, führte der Verein das Projekt dennoch durch.

 

Den neuen Standort wählte er dabei nicht in erster Linie deshalb aus, um die am Reißbrett entstandene Trabantenstadt künstlerisch aufzuwerten, sondern um das neue Stuttgart mit der gewachsenen historischen Stadt symbolisch zu verknüpfen und damit ein Zeichen zu setzen für die Verbindung von Kontinuität und Fortschritt. Aus diesem Grund wurden die Reliefs auch an einem ganz zentralen Ort aufgestellt.

 

Nach einigen städtebaulichen Änderungen in der Siedlung befinden sich die Reliefs und Kapitelle heute an der Stadtbahnhaltestelle Europaplatz bei der Ulrichskirche und in der Nachbarschaft einer modernen Brunnenplastik von Fritz Nuss. Auch an dieser Stelle haben die Donndorf'schen Kunstwerke ihre stadt- und kulturgeschichtliche Bedeutung, denn nach wie vor kontrastieren hier Alt und Neu auf besonders auffällige Weise.



 


Bildergalerie

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Standort

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