Geroksruhe


Ganz im Südosten der Stuttgarter Markung gelangte man in den Staatswald Frauenkopf. Auch von dort hatte man einen hervorragenden Ausblick sowohl auf die südlichen Teile der Stadt von Degerloch hinunter ins Heslacher Tal bis zum Hasenberg als auch gegen Norden. Unmittelbar an jener Stelle, an der die Gänsheidestraße in den Staatswald einmündete (sie war damals nur ein mäßig befestigter Weg; heute entspricht ihr an dieser Stelle die Pischekstraße), richtete der Verein im Jahr 1890 auf Anregung von Herzogin Wera eine kleine Anlage ein. Sie sollte den Ort würdigen, an welchem der kurz zuvor verstorbene Oberhofprediger und Dichter Karl Gerok gerne geweilt hatte, und erhielt deshalb den Namen Geroksruhe. Diese Anlage befand sich – von der heutigen Aussichtsplatte betrachtet – jenseits der Pischekstraße, wohl etwas oberhalb des Hotels Geroksruhe.

 

Zunächst wurden drei Bänke aufgestellt, von denen eine mit einer schützenden Rückwand und einem hölzernen Dach versehen war. 1895 wurde die Gerokshütte errichtet, von der aus man einen schönen Ausblick ins Unterland hatte.

 

Im Jahr 1904 übergab die Stadt an der Geroksruhe dem Verein einen ungenutzten Sandsteinbruch, um darin eine einfache Anlage entstehen zu lassen - wie schon in den zurückliegenden Jahren nicht zuletzt dank einer großzügigen Spende von Herzogin Wera. Am Rande der Anlage errichtete der Verein 1905 einen Brunnen, den die Söhne des verstorbenen Hofrats Richard Keller gestiftet hatten. Statt historischer Figuren und Formen aus der Renaissance- oder Barockzeit, wie sie in den vorausgegangenen 20 Jahren üblich waren, blickte dem Spaziergänger nun ein grotesker Kopf mit aufgeblasenen Backen und mächtigen Flossen aus einer kleinen Jugendstil-Grotte entgegen.

 

Als Ende der 1920er-Jahre die Pischekstraße für den Straßenbahnverkehr verbreitert werden musste, wurden Steinbruch und Anlage 1927 aufgefüllt. Aus dem Verlust entsprang jedoch eine der schönsten und bis heute beliebtesten Schöpfungen des Verschönerungsvereins: die neue Geroksruhe.

 

Ende 1927 plante der Verein auf der nun exponierter liegenden Fläche des aufgefüllten Steinbruchs eine neue Anlage, damit der Verschönerungsverein wieder mit einer schönen Schöpfung an besonders viel besuchter Stelle mit prächtiger Aussicht vor die Öffentlichkeit treten kann (aus einem Ausschussprotokoll). Mit den Mitteln aus dem Verkauf der Anlage Himmelsberg/Hetzenstich erwarb man Anfang 1929 von der Stadt ein 27 a großes Grundstück. Weitere 26 a wurden gepachtet, um auf dem weiträumigen Areal eine Anlage auf drei Ebenen zu erschaffen, die gegen Gablenberg und das Neckartal einen umfassenden Blick bot.

 

Auf der unteren Terrasse wurde ein Kinderspielplatz eingerichtet. Auch der Richard-Keller-Brunnen erhielt am Weg hinunter nach Gablenberg einen neuen Standort. In unmittelbarer Nachbarschaft befanden sich außerdem zwei beliebte Ausflugslokale: das Cafe-Restaurant mit Hotel "Geroksruhe" und das Höhenrestaurant mit Cafe und Konditorei „Frauenkopf". Lokale und Aussichtsplatte profitierten  zweifellos gegenseitig voneinander.

 

Bei einer Morgenfeier mit Hunderten von Zuschauern wurde die neue Anlage am 16. Juni 1929 eingeweiht. Sie gliedert sich würdig in den Kranz der vielen Anlagen rundum um Stuttgart ein, heißt es dazu in einer Pressemitteilung des Vereins. Die Vereinsfestschrift von 1936 bezeichnet sie als ein Prachtstück der Vereinsschöpfungen.

 

Um sie von der alten Geroksruhe zu unterscheiden, sollte sie zunächst „Gerokshöhe“ genannt werden, doch schon bei der Eröffnung war davon keine Rede mehr. In eine Travertinmauer entlang der Pischekstraße wurde eine Gedenktafel eingelassen mit dem Text Aussichtsplatte Geroksruhe - errichtet vom Verschönerungsverein Stuttgart - 1929. Zu Ehren des 1932 verstorbenen Ausschussmitglieds und städtischen Gartendirektors Ehmann wurde die Inschrift später um die Zeilen Ausgeführt van Gartendirektor Paul Ehmann im Jahre 1929 ergänzt. Weitere fünf Jahre später wurde am 9. Mai 1937 eine Bronzetafel enthüllt, die an den 1935 verstorbenen Vorsitzenden Adolf Hofacker erinnerte: Dem Andenken seines um die Schaffung dieser Anlage besonders verdienten Vorstandes Baurat Adolf Hofacker gewidmet vom Verschönerungsverein der Stadt Stuttgart 1936. Diese Gedenktafel wurde während des Zweiten Weltkriegs jedoch genauso entwendet wie die 1938 aufgestellte Bronzeplatte auf einem Travertinpfeiler, die als Orientierungstisch über die Aussicht informierte. Beide wurden 1955 durch Neuanfertigungen ersetzt, kurz bevor die Anlage umgestaltet werden musste.

 

Unterdessen bestand die erste Anlage auf der Geroksruhe (auf der gegenüberliegenden Seite der Jahn- und Pischekstraße) fort. Direkt nebenan hatte der Verein bereits 1913 von der Forstverwaltung ein Areal gepachtet und dort einen Spielplatz errichtet, der mit Bänken, einer Hütte und einem befestigten, für Ballspiele geeigneten Platz im Freien ausgestattet war.1934 wurde die knapp 30 a große Fläche saniert, doch um 1954 gab man den Platz auf, weil die Stadt wegen des anwachsenden Straßenverkehrs an dieser Nahtstelle zwischen Bebauung und Wald einen Parkplatz anlegen wollte. Heute ist von der Ur-Geroksruhe aus dem Jahr 1890 nichts mehr zu sehen.

 

Als die Pischekstraße 1955 verbreitert wurde, musste auch die 1929 eröffnete Anlage an der Geroksruhe umgebaut werden. Dazu wurde die Einfriedungsmauer ein Stück versetzt und der Eingang neu gestaltet. Ein weiterer Ausbau der Straße und ein Treppenabgang zur Merzschule bedeuteten Ende der 1960er-Jahre erneut Eingriffe. Dieses Mal mussten Mauer und Eingangstreppe gar rund acht Meter nach innen versetzt werden, was einem Verlust von fast 500 qm gleichkam.

 

Ende der 1960er-Jahre mussten an der Geroksruhe Teilflächen für den Straßenbau abgetreten werden. Gut vierzig Jahre nach dem Bau der Anlage wurde im Jahr 1970 eine von Bildhauer Ernst Yelin geschaffene Gedenktafel für Karl von Gerok angebracht.

 



 


Bildergalerie

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Standort

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